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Livekamera und TL Video: Händelfestspiele

Livekamera und TL Video: Händelfestspiele

Klar, es gibt 4K-Ü-Wägen. Ungefähr 2 oder so in Deutschland? Studio Berlin hat einen, Broadcast Solutions hat einen, TVN rückt nicht so recht mit der Sprache raus. Die Rede ist dort immer von HD-Autos, aber über die Suche nach „4K“ auf deren Seite schreiben sie was von F55.
So oder so: bezahlen kann/will das keiner. Und wenn der Kunde sich als Endformat 4K50 für den internationalen Vertrieb wünscht und das Produkt aber eigentlich hauptsächlich ein 720p-/maximal 1080p-Livestream werden soll, wird die Wahl von bezahlbaren Kamerasystemen schon eng.
Also bleibt eine interne Aufzeichnung von 4K50 und eine Signalauskopplung von HD-Streams übrig. Damit fällt natürlich sämtliche Remote-Option via RCU weg, außer man setzt auf F55-Züge, die nicht so einfach zu bekommen sind, wie immer alle behaupten.

Jetzt kann man mit Sony Z190 oder Z280 einigermaßen sauber 4K produzieren und über 3G bzw. 12G SDI einen HD-Stream auskoppeln, der dann in eine Regie und weiter zum Streaming-Dienstleister geht.
Optisch kackt eine Z190 trotz ihrer prinzipiell super Optik aber schon gegen FS7/F5/F55 und Konsorten ab, vor allem, wenn sich Kameraleute der Alten Schule neben Zoom-Remote auch noch Fokus-Remote wünschen. (selbstverständlich weiß ich, dass bei Optiken wie der unten beschriebenen 1000mm-Canon schwerlich der Fokus und die Blende am Objektiv zu ziehen sind. Ich sehe da eher „Standard“-Optiken in der Pflicht…)

Also heißt es hier reagieren und ein wenig mehr als vermeintlich gewohnt von den Kameraleuten erwarten. Aber im Ernst: in meinem Netzwerk freuen sich die Kameraleute, wenn sie selber Hand anlegen dürfen.
Außerdem: der „Mehraufwand“, dass die Blenden entgegen der Gewohnheit diverser Oldscool-Fernsehkameraleute von Hand gezogen werden mussten, war gar nicht so hoch, weil durch das saubere Einleuchten durch den DoP kaum Korrekturen an der Blende (meist je nach Optik zwischen T4.8 und T6.5) nötig waren. Und selbst wenn – laut eigener Aussage der Kollegen wäre das, auch für die „externen“, kein Problem gewesen. Na also.

1000mm-Canon-Zoom und Studiopumpe

Alle Kameras standen auf Rollspinnen, zwei davon waren mit Studiopumpen von Sachtler ausgerüstet.
SmallHD-Monitore erleichterten das Quadrieren, wobei die Kamera, den im Orchester sitzend den Dirigenten filmen sollte, den Monitor via MagicArm auf Sidemount geriggt bekam.
Meine Lösung für die Händelfestspiele bestand also aus 5 Sony FS7MKI mit jeweils Fujinon Cabrio 20-120 T3.5, Cabrio 85-300 T2.9, Canon CN20x50 50-1000(!)mm T5-8.9 mit 1,5-fach Extender sowie Canon CN7x17 17-120 T2.9-3.9.
Dazu die passenden Zoomremotes und Focussterne. Blende mussten die Kameraleute am Objektiv auf Zuruf des Bildtechnikers machen. Dieser saß am Laptop neben der Regie und lieferte nach dem in Slog3 gemischten Bild am Laptop die Farbkorrektur für den Stream.
Das hatte den Vorteil, dass die mitgerechnete Videosumme noch farbkorrigierbar war.
Das ist deswegen wichtig, weil ARTE binnen 24 Stunden nach dem Event ein sendefähiges File erwartet. Wenn da die Farben linear aufgezeichnet und eventuell verzockt werden, sieht es um eine Farbkorrektur schlecht aus.

Mein Augenmerk lag daher darauf, das Signal in LOG aufzuzeichnen und lediglich für das Streaming auf die Summe eine Farbkorrektur, optimalerweise via LUT, zu legen.
Das funktionierte hervorragend, auch weil die Kameras im Vorfeld sauber gematcht wurden. Das klingt zwar aufwendig, war aber gar nicht so schwer, solange die Setups genau gleich sind. Varianzen in unterschiedlichen Verschleißzuständen von Chips waren in unserem Fall nicht messbar.

Der Beweis: Der Abspann des Livestreams